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29/10/2016
Tattoos am Arbeitsplatz
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Tattoos und Karriere 

Das Thema ist ein Dauerbrenner unter Tätowierten – und solchen, die es gerne wären. Was darf der Arbeitgeber vorschreiben? Wo endet die „Privatsache Tattoo“ und wo fängt der Körperschmuck an, ein Fall für den Vorgesetzten oder für Anwälte und Gerichte zu werden? Wie sollten wir mit unseren Hautbildern bei Bewerbungen umgehen? 

Der Faktor „Branche“

Was sich schon mal vorwegnehmen lässt, ist: Die Regelungen sind eindeutig uneindeutig. Es macht einfach einen Unterschied, ob man im öffentlichen Dienst oder einem repräsentativen Job arbeitet oder ob man sich eher im Kreativbereich ansiedelt, in die Industrie oder ins Handwerk geht. 

Die Branche ist also ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, ob man Tattoos öffentlich zeigen sollte. In konservativen Bereichen wie Banken, Unternehmensberatung, Justiz, sind Tätowierungen nicht besonders hoch angesehen. Nicht zuletzt deshalb hört der Bodysuit von so manchem Neurochirurgen an den Handgelenken und am Kragen auf. 

Ist das Diskriminierung? Subjektiv natürlich schon. Denn seinen Körperschmuck verdecken zu müssen, fühlt sich irgendwie schon so an, als würden wir unserer persönlichen Freiheit und Entfaltung beschnitten. Rechtlich allerdings, fällt eine Bewerbungsablehnung oder eine Bekleidungsvorschrift für Tätowierte nicht unter Diskriminierung. 

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sieht Körperschmuck nicht als „personenbezogenes Merkmal“ vor. Und nein, Tätowierungen fallen auch (leider noch) nicht unter das Merkmal „Hautfarbe“. Es dürfte also schwierig werden, gegen eine Diskriminierung aufgrund unserer Tattoos rechtlich vorzugehen. 

Der Faktor „Credibility“

Im Grunde darf der Chef alles. Uns auffordern, sie zu bedecken. Uns im Zweifelsfall abmahnen, wenn wir dem nicht nachkommen. Hygienegründe vorschieben oder uns eben nicht einstellen, wenn Tattoos nicht mit dem Dresscode des Unternehmens konform gehen. 

Denn: Es ist sein Unternehmen. Er bestimmt, was für sein Unternehmen gut ist und welcher Mitarbeiter es optimal repräsentiert. Der Chef verfügt also über eine Art Hausrecht. Ist er der Meinung, Tattoos bei seinen Angestellten schadeten der Reputation seines Unternehmens, darf er:

  • fordern, sie zu verdecken,
  • uns abmahnen oder
  • im Härtefall sogar entlassen.

In dem Moment, in dem die Unternehmensregeln und -philosophie den Tattoos und vor allem den Motiven widersprechen, greift also das Recht des Arbeitgebers. Unser Persönlichkeitsrecht ist an dieser Stelle zweitrangig. Das bestätigen auch Gewerkschaften, Arbeitnehmerverbände und Arbeitsrechtsexperten immer wieder.

Aber zum Lasern darf er uns nicht schicken. Na, immerhin! Und wenn wir uns nach der Einstellung tätowieren lassen, muss aus dem Arbeitsvertrag hervorgehen, dass Tattoos nicht willkommen sind. Andernfalls sind sie kein legitimer Kündigungsgrund! Einen Fachanwalt bei der Hand zu haben, schadet in so einer Situation allerdings sicher nicht. 

Der Faktor „Vertrauen“

Für die meisten Menschen, Arbeitgeber wie Kunden, Nachbarn, Tanten und so weiter, macht es einen himmelweiten Unterschied, ob jemand einen kleinen, süßen und dezenten Schmetterling auf dem Schulterblatt tätowiert hat oder ob eine Vielzahl großflächiger Tattoos die Haut verzieren.

Das Minitattoo auf der Innenseite des Oberarms sieht einfach harmlos aus. Zumindest im Vergleich zu einem Sleeve voller Skulls in Black-and-Grey. Nicht unbedingt cooler, aber in der allgemeinen Wahrnehmung eben schön und lieb und ungefährlich. 

Man könnte sagen, das Vertrauen der Allgemeinheit sinkt proportional zur Anzahl, Größe und Motivwahl von Tattoos. Die Lilie bei der Friseurin auf dem Dekolletee wird durchgewunken. Ist ja auch ein kreativer Beruf. Das Vögelchen am Handgelenk der Kassiererin ist auch noch ok. 

Aber sobald die Motive düsterer oder großflächiger und vor allem sichtbarer werden, die Körperstellen heikler … Sobald das passiert ist es vorbei, mit dem Wohlwollen der breiten Masse. Und die besteht nun mal aus unseren Arbeitgebern oder deren Geschäftspartnern und Kunden. Und wenn wir deren Vertrauen nicht haben, haben wir am Arbeitsplatz keine Chance.

Dabei ist den Menschen meist gar nicht klar ist, in wie vielen hoch anerkannten Berufszweigen Tattoos verbreitet sind! 

Würden alle ihre Tätowierungen offen tragen, würden sich die Menschen nie wieder operieren lassen. Oder rechtlich vertreten. Oder unterrichten. Oder fliegen. Frei nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, ist der nächste Stichpunkt also die Sichtbarkeit.

Der Faktor „Sichtbarkeit“

Nicht nur Motiv, Platzierung und Anzahl unserer Tattoos machen einen großen Unterschied. Auch, ob man sie sieht. Der erwähnte Bodysuit beim Arzt oder Anwalt schließt in der Regel spätestens mit den Hemdsärmeln und unterhalb des Schlüsselbeins ab. 

Zwar wird immer wieder davon geredet, dass Tattoos längst in der Gesellschaft angekommen wären. Aber dennoch scheinen zu viele Menschen immer noch Vorbehalte zu haben, was die Intelligenz, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz von stark Tätowierten angeht.

Und das kann so manchem Arbeitgeber Kopfzerbrechen bereiten. Denn als Chef möchte er natürlich, dass seine Kunden und Partner in sein Unternehmen investieren. Die investieren aber nur, wenn sie Vertrauen haben. Und wie eben schon erläutert, vertrauen viele Menschen Tätowierten einfach noch zu wenig.

Was Experten dazu sagen

Es sind natürlich fließende Übergänge zwischen den aufgezählten Faktoren. Je mehr Tattoos wir haben, desto schwieriger wird es irgendwann, noch freie Stellen zu finden. Erst recht, wenn sie auch noch verdeckt bleiben müssen. 

Schon zu unterschiedlichen Jahreszeiten kann das heikel werden: Im Langarmhemd zur Arbeit, während andere im T-Shirt kommen. Lange statt kurze Hosen, geschlossene Schuhe statt Sandalen. Da heißt es, schwitzen für die Tattoos.

Aber das Gesetz ist in dieser Sache auf Seiten der Arbeitgeber, wie auch Experten wie Verdi-Arbeitsrechtler Christian Götz oder Rechtsanwalt Urban Slamal regelmäßig in Interviews betonen. Auch, wenn Tattoos grundsätzlich in jeder Branche Probleme mit sich bringen können, kristallisieren sich bestimmte Berufszweige doch deutlich heraus.

In diesen Jobs sind Tattoos laut Experten ein Problem

Er muss es wissen: Rechtsanwalt Urban Slamal ist wohl der bekannteste Vertreter der Verbindung „seriöser Beruf und Tätowierungen“. Seiner Erfahrung nach, haben es Tätowierte „relativ regelmäßig in allen Berufen, in denen herausragender Kundenkontakt besteht,“ schwerer. Er nennt hier vor allem die Bereiche Gastronomie, Hotellerie und Luftfahrt. 

Der Verdi-Vertreter Christian Götz schließt sich dem weitgehend an, erweitert die Jobpalette noch um „Jobs mit Autoritätsanspruch“. Lehrer etwa oder Banker.

Für Bundeswehr und Polizei gelten ohnehin noch mal andere Regelungen, als in der freien Wirtschaft. Ob das sinnvoll ist, sei dahin gestellt.

Tattoo-Akzeptanz am Arbeitsplatz

Die größte Akzeptanz erfahren Tätowierte immer noch in kreativen und handwerklichen Bereichen oder in der Medienbranche. Natürlich ist auch hier die Einstellung des Chefs gegenüber Tattoos ausschlaggebend, aber es herrscht hier definitiv mehr Offenheit, als in konservativeren Berufsgruppen. Auch im Verkauf, besonders, um es mit Christian Götz' Worten zu sagen, „in einem hippen Klamottenladen“ ist man tätowierten Mitarbeitern gegenüber zunehmend freundlich eingestellt. 

Es gibt also durchaus Arbeitsbereiche, in denen Tattoos eher locker gesehen werden. Aber auch hier hat der Chef das letzte Wort.

Mit Tattoos zum Bewerbungsgespräch

Für ein Bewerbungsgespräch sollten wir also wissen, welche Branchen auf Tattoos eher gelassen reagieren und wo sie uns den Job kosten können und wir sollten uns entsprechend darauf vorbereiten. 

Im Finanz- oder Versicherungssektor kann es demnach empfehlenswert sein, die Tattoos zu verdecken und sichtbare Stellen vorerst auszusparen. Auf dem Bau oder in der Werkshalle dürften Tattoos keinen interessieren. Trotzdem ist es unter Umständen besser, den Full-Sleeve durch hochgekrempelte Hemdsärmel zumindest großzügig zu verdecken.

Immerhin wissen wir vor dem eigentlichen Gespräch noch nicht, wer da nachher vor uns sitzen wird. Und auch, wenn unser Persönlichkeitsrecht vor und im Vorstellungsgespräch noch nicht so limitiert ist, wie später nach der Vertragsunterzeichnung, sollten wir ein gewisses Entgegenkommen zeigen. 

Was arbeitsrechtlich wichtig ist: Die Frage nach eventuellen Tattoos oder Piercings, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, ist genauso wie die Frage nach Schwangerschaftsplänen verboten und muss nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. 

Zu lügen sollte aber das letzte Mittel der Wahl sein und auch besser nur dann gemacht werden, wenn wir unsere Tätowierungen problemlos – auch bei 40° Grad im Schatten – verstecken können. Denn wer hinterher entlarvt wird, hat es sich beim Chef dann auch verscherzt.

Was natürlich immer eine Möglichkeit ist, ist selbst vorsichtig nachzuhaken, wie die Firmenpolitik in Sachen Körperschmuck ist. Allerdings müssen wir uns dann gegebenenfalls die Gegenfrage zum gegenwärtigen Zustand unserer Haut gefallen lassen.

Aber natürlich haben wir noch keine Tätowierung. Wir würden nur gerne eine stechen lassen, sofern es nicht gegen den Unternehmenskodex verstößt. Ihr wisst schon …  

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